Ironman Lanzarote 26.05.2018 - Stefania Poli

 

5 vor 12“

 

Der Wecker war für 3 Uhr am Morgen des 26 Mai 2018 eingestellt, doch ich konnte bereit ab 0 Uhr nicht mehr schlafen. Wer hätte das gedacht, dass ziemlich genau 24 Stunden später der Zieleinlauf meines Lebens auf mich warten würde…

Die Entscheidung, am Ironman Lanzarote „the dream the legend“ teilzunehmen stand bereits Ende Oktober fest, als der Urlaub für das Trainingslager genehmigt wurde. Ironman Finisher wird man nicht über Nacht oder an einem Tag, es ist das Ergebnis aus mehreren Monaten - besser Jahren - kontinuierlich diszipliniertem und strukturiertem Training, daher zunächst ein paar Worte zur Vorbereitung. Der Trainingsbeginn war für Mitte November getaktet, sozusagen nach Beendigung der Regeneration aus dem Ironman Italy den ich Ende September als mein dritter IM gefinished hatte. Somit standen sechs Monaten Vorbereitung für Lanzarote vor mir. Nach zweimal IM Frankfurt und dem IM Italy sollte Lanzarote also mein vierter IM werde. Wer weiß, ob die Erfahrung und die ausgebauten Grundlagen über die Jahren hinweg eine ausreichende Basis für diesen ehrgeizigen Plan darstellen.

Trainingsschwerpunkt für Lanzarote war selbstverständlich das Radfahren. Der Winter war sehr kalt und lang, jedoch überwiegend trocken, so dass ich nur zwei Mal Indoor auf der Rolle fahren musste. Bereits ab Januar war das Wochenende mit MTB-Ausfahrten von 3-4 Stunde durchgeplant, Bergtraining nicht vernachlässigen, dabei waren die eisigen Abfahrten die größte Herausforderung. Manchmal habe ich nach der heißen Dusche noch eine gute Stunde vor Kälte gezittert, bis die Betriebstemperatur sich wieder einstellte. Das Lauftraining habe ich zunächst nur zwei Mal die Woche einbauen können, so auch schwimmen. Athletik habe ich mit einem Pensum von dreimal die Woche keineswegs vernachlässigt, denn RumpfStabi/Mobilität/Dehnung/Kraft die Säule eines stabilen und aufbauenden Ausdauertrainingsverlaufs sind.

Die Trainingspläne habe ich mir selbst geschrieben, jedoch an der Stelle ein Dankeschön an meinen ex-Trainern Mario S-W und Stephan V., von denen ich sehr viel gelernt habe und die mich stets inspirieren.

Nach 3.500 Radkilometer, 560 Laufkilometer und 150 Schwimmkilometer war die Ironman Woche dann da…

Wir hatten am Donnerstag die berühmte Parade der Nationen, die sonst nur bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii stattfindet… Gänsehaut und OlympiaFeelingFürAgeGrouper !

Und dann war auch der Tag mit mehr als 24 Stunden da!

Schwimmen im Athlantischen Ozean… Wellig aber so what? Die Fischschwärme darunter und wir darüber schwimmend…

Radfahren. Zunächst die Fakten: 180 k eine Runde durch die ganze Insel, 2.500 Höhen Meter, Wind über 30 kmh, Frontwind Bergauf, Seitenwind Bergab. Aber darum geht es nicht. Bei dieser Radstrecke geht es um eine Zeremonie, die Freude und Dankbarkeit, jedes einzelne Meter in seiner außerirdischen einzigartigen Schönheit und Faszination zelebrieren zu dürfen: Die Feldwege durch die Bauerhütten (donkey road), die Abfahrt durch die Weinberge (La Geria), die Lavafelder am Mehr (El Golfo), der Anstieg in die Feuerberge (Timanfaya), Teguise, Anstieg bis zum Parc Eolico (Windpark), die steile Serpentine ‚runter nach Haria, die Küstenauffahrt zum Mirador del Rio, die Überquerung über Teseguite, der Abstecher nach Famara… Darum ging es tief in meinem Herzen.

Geschäfft! Nun nur noch ein Marathon der Küstenentlang zwischen Puerto del Carmen und Playa Honda mal hin und zurück, ist noch mehr als sechs Stunden Zeit, das wird schon noch klappen… Niemals unterschätzen! Die vielen Stunden die man unterwegs ist stecken in den Knochen, ich war aber froh dass mein Verlass auf den gut trainierten Fettstoffwechsel mich sicher zur Meta (Ziel) geführt hat. Es ist ja nämlich so, dass mein Magen nach 12-13 Stunden Sport keine Nahrung mehr aufnehmen kann, das Blut ist mit der Muskelarbeit beschäftigt. Also nur noch über die Zunge lutschen und fette verbrennen.

Nach 16:11 fehlten mir nur noch 5 km, ich habe gerechnet, ein Schnitt von 9 Minuten pro km ist sicher drinnen und somit nahm der Traum eine konkrete Form. Es begann eine epische Odyssee mit Fans und Zuschauern die mit mir die Freude teilen wollten… Es ist unbeschreiblich, in diesem Moment empfindet man universale Friede und Dankbarkeit für alles und alle. Ich wollte so gerne dass diese Momente nie vorbei gehen…

In Lanzarote hat jeder Finisher die Ehre, das Schlussband zu reißen und zu erheben. Nach der Meta war Kenneth Gasque da, Race Director, mehrmals Hawaii Finisher, die Seele des Ironmans Lanzarote - und ich durfte mich bei ihm bedanken, dass er auf mich gewartet hat, was Teil meines Traums war.

Vielen Dank an Stefania für das Schreiben des Artikels